Philosophie

In seinem Grundwesen stellt der japanische Garten immer eine idealisierte, gestaltete Naturlandschaft dar, ein Landschaftskunstwerk, in dem fast immer alles - Wasser, Steinsetzungen und Bepflanzung - nach bildkompositorischen Gesetzen abgestimmt erscheint, sei es als einziges Gemälde mit einem einzigen Blick erfassbar oder als eine Reihe von Bildern, die sich beim Durchschreiten des Gemäldes ähnlich einer Bilderrolle entfalten.
Der starke Einfluss der Religionen Shintoismus, Taoismus und Buddhismus auf die Gartengestaltung spiegelt sich darin wieder, dass sich der Mensch als Teil der Natur versteht, wobei die Natur auch immer ein Teil des Menschen ist. Formalismen und Geometrien finden sich im japanischen Garten nicht; natürliche "organische" Formen werden bevorzugt.

Raumkonzept

Das Raumkonzept des Japanischen Gartens Kaiserslautern ergibt sich im wesentlichen aus der durch die ehemaligen Villengärten vorgegebenen Geländestruktur. So steigt das Gelände von der Lauterstraße zum Abendsberg bis zu einer Höhendifferenz von ca. 20 Metern an und auch in Ost-West-Richtung ist die Topographie stark bewegt.
Im Kernbereich des Gartens sind auf den Geländeniveaus der historischen Villen zwei Teichgärten angelegt. Die beiden in ihrer Eigenart sehr unterschiedlichen Gartenszenen werden durch eine markante Sandsteinmauer, die ursprüngliche Abgrenzung der beiden historischen Villengrundstücke, räumlich voneinander getrennt. Der Obere Teichgarten ist geprägt durch eine ruhige, beschauliche, fast meditative Atmosphäre, der Blick ausgerichtet auf das historische Tee- und Gästehaus am Kopfende des oberen Teichs. Kontrastierend dazu ist die fast schon dramatische Atmosphäre des Unteren Teichgartens, die bestimmt wird durch einen spektakulären, etwa 10 Meter hohen Wasserfall.

Wegekonzept

Das Wegekonzept des Japanischen Gartens Kaiserslautern entspricht dem landschaftlich-natürlichen Charakter der Gesamtanlage. So finden sich im gesamten Garten keine geraden Achsen bzw. Symmetrien, sondern schmale Trittwege, die in bescheidener Art und Weise und organischer Form in die Gartenlandschaft eingearbeitet sind und teilweise völlig in sie eintauchen. Die Wege ordnen sich der Landschaft unter und sind der stille Führer des Betrachters.
Das Wegesystem des Gartens kann als Rundparcours begangen werden. Dabei werden die verschiedenen Landschaftsszenen ähnlich einer photographischen Bildabfolge aneinandergereiht; ständig wirken wechselnde Eindrücke auf den Betrachter ein und lenken dessen Blick auf ein anderes Gartendetail. Dadurch werden Erlebnissequenzen geschaffen.

Vegetationskonzept

Das Pflanzkonzept des Japanischen Gartens Kaiserslautern ist eine spannende Melange aus dem alten erhaltenswerten Baumbestand des Siesmayer'schen Landschaftsparks und der im Zuge der aktuellen Gartengestaltung seit 1998 integrierten japanisch anmutenden Baumpflanzungen. Zu Beginn der Umgestaltung des ehemaligen "Parks Am Abendsberg" stand die alles entscheidende Frage, welche Elemente des Baumbestandes in den zukünftigen Japanischen Garten integriert werden sollten und welche nicht. Die Ausgangssituation dieser Entscheidung war 1998 eine fast undurchdringliche Wildnis mit einem geschlossenen Baumdach, ohne Licht, Struktur und Öffnungen. Im Zuge der Anlage des Japanischen Gartens wurden nahezu 80 Prozent des alten Baumbestandes entfernt. Erhalten wurden charakteristische und exotische Elemente des ehemaligen Sießmeyer'schen Parks, insbesondere vier in Reihe gepflanzte, über hundert Jahre alte Rotbuchen. Sie bilden heute die optische Blickkulisse für die beiden großen Teichgärten. Ferner konnten einige exotische und teilweise skurril wirkende Einzelbäume in die Gestaltung des Gartens integriert werden, so z.B. ein riesiger Ginkgo, mehrere Baumeiben, Platanen, Amberbäume und Baumhaseln. 

Das Wasserkonzept

Wasser ist eines der wichtigsten Leitmotive der japanischen Gartengestaltung. Es führt den Parkbesucher durch den Garten und tritt dabei in den verschiedensten Erscheinungsformen auf - als stiller See, leise plätschernder Bachlauf oder tosender Wasserfall. Damit wird es zum Symbol für den Lauf des Lebens, für Ruhe, Bewegung, Spannung und dramatische Ereignisse im Leben des Menschen.
Im Japanischen Garten Kaiserslautern ist das Wasser ein Kernelement der Gestaltung. Die beiden Teichgärten, der Obere und der Untere Teich, sind zentrale Blickräume des Gartens. Sie haben unterschiedlichen Charakter. Der Obere Teich wird durch das historische Tee- und Gästehaus dominiert, der Untere Teich durch einen spektakulären, etwa 10 Meter hohen Wasserfall. Ruhe und Bewegung kontrastieren hier miteinander und sind in direkter Abfolge erlebbar. Alle Wasseranlagen des Japanischen Gartens sind durch ein System miteinander verbunden, symbolhaft für den ewigen Kreislauf des Lebens im Buddhismus.

Das Tee- und Gästehaus

Das original Japanische Tee- und Gästehaus ist mittlerweile eine der Hauptattraktionen des Japanischen Gartens Kaiserslautern. Es wurde ursprünglich um das Jahr 1900 als Gästehaus für ausländische Besucher und Diplomaten in einem Park in Tokio errichtet, bis es 1983 von einem deutschen Privatmann aufgekauft wurde. Japanische Handwerker bauten das Haus in Japan ab, zerlegten es in seine Einzelteile, um es in Deutschland in detektivischer Kleinarbeit in seinem originalgetreuen Zustand wieder aufzubauen.
Mit Unterstützung der "EXPO Memorial Foundation" in Osaka kaufte die Stadt Kaiserslautern 2003 das Gästehaus, um es im Japanischen Garten Kaiserslautern als Teehaus erneut aufzubauen. Damit erlebte das Haus als "fliegendes Gebäude" bereits seinen zweiten Umzug. Als Standort wurde das Kopfende des Oberen Teichs ausgewählt, um so innerhalb des größten Blickraums des Japanischen Gartens einen attraktiven und authentischen Blickfang zu erhalten.

Der Zen-Garten

Der im Stile eines Stein- und Moosgartens gestaltete Zen-Garten ist mittlerweile zu einem wichtigen Gartenbaustein des Japanischen Gartens geworden. Er liegt am östlichen Rand des Japanischen Gartens und wurde 2004 eingeweiht. Der Bau des Gartens wurde von der Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Kaiserslautern unterstützt. Während eines 2-wöchigen Gartenbauseminars mit dem japanischen Gartenbaumeister Kazuo Makioka wurde der Garten im Sommer 2004 umgestaltet und erhielt den nötigen Feinschliff.

Das Motiv des Gartens orientiert sich am Originalbild des Zen-Gartens des Ryoanji-Tempels der alten Kaiserstadt Kyoto, der 1577 entstanden ist und als die Perfektion des goldenen Schnitts gilt. Die Konzeption entspricht der eines Trockenlandschaftsgartens kare-san-sui. Dieses Wort bedeutet im Japanischen ‚Berg-Wasser-Landschaft’. Gärten dieser Art wurden ursprünglich in der Nähe von Klostern angelegt und dienten den Mönchen als Orte der Meditation und Selbstfindung.

Der Berggarten "Tsukiyama"

Am höchsten Punkt des Japanischen Gartens stellt der "tsukiyama"-Berggarten die Hochgebirgsregion der Insel Japan dar. Das Erscheinungsbild des Gartens wird maßgeblich geprägt durch die im japanischen Stil arrangierten Steinsetzungen. Markante Solitäre und zu Gruppen zusammengesetzte Ensembles zeigen metaphorische Motive der alpinen Gipfelwelt, ergänzt durch die "Bergwälder" aus Rhododendren und Azaleen. Flächige Buchspflanzungen im "karikomi"-Schnitt bilden Felsen und Berghänge nach; ein mit pflanzlichen Mitteln dargestellter "Trockenfluss" entspringt an der höchsten Stelle des Japanischen Gartens und fließt durch ein modelliertes Tal zum Teehaus hinab.

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